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Cyberstalking

Was ist Cyberstalking?

Wie der Name schon sagt, ist Cyberstalking eine Unterart des Stalking. Die stalkende Person nutzt jedoch Computertechnik, um eine andere Person zu beschatten, zu bedrohen, zu belästigen, etc. Im Wesentlichen geht es wie beim Stalking auch um Einschüchterung und Macht/Kontrolle.

Cyberstalker …

  • nutzen das Internet um möglichst viele Infos über das Opfer zu sammeln, manchmal mit Hilfe von spezieller Schnüffel-Software (Spyware),
  • belästigen/bedrohen/beleidigen ihre Opfer per E-Mail, über Messenger-Apps oder in Social-Media-Kanälen,
  • hacken manchmal auch die Accounts ihrer Opfer um noch mehr über sie zu erfahren oder ihre Identität zu stehlen,
  • bestehlen ihre Opfer, indem sie auf ihren Namen einkaufen,
  • verleumden ihre Opfer im Internet, vor allem in den sozialen Medien,
  • versenden kompromittierende Fotos oder Filme an Freunde/Bekannte des Opfers,
  • verfolgen ihre Opfer überallhin und kontrollieren sie rund um die Uhr über das Smartphone.

 

Cyberstalking in der Partnerschaft?

Cyberstalking kommt besonders häufig bei einer Partnerschaft oder einer Expartnerschaft vor. Das Motiv ist der Wunsch, die Partnerin oder den Partner zu kontrollieren und, im Falle einer Trennung, Genugtuung für die erlebte Kränkung zu bekommen. Natürlich ist es für (Ex-)Partner und (Ex-)Partnerinnen besonders leicht, Kontrolle auszuüben: Sie sind mit den Lebensgewohnheiten ihrer Opfer vertraut, kennen oft deren Online-Passwörter, haben Zugang zu gemeinsamen Konten. In einer bestehenden Partnerschaft fällt es den Opfern oft nicht leicht, eine Grenze zu ziehen – für sich selbst und für den Täter bzw. die Täterin.

 

Wie kann man sich schützen?

  • Technische Sicherheit erhöhen
  • Deaktiviere die Standort-Einstellung auf allen Deinen Geräten und achte bei Geräten von Apple darauf, dass Du die auch Funktionen „Familienfreigabe“ und „Wo ist“ deaktivierst. Beachte, dass moderne Kopfhörer teilweise ebenfalls mit GPS ausgestattet sind (z.B. AirPods).
  • Überprüfe dein Smartphone und deinen Computer auf unbekannte Apps und lösche sie. Beachte aber auch, dass Spyware sich oft nicht finden lässt (vgl. Spyware).
  • Ändere alle Passwörter, also für Router/WLAN, Geräte (Smartphone, PC, Notebook, Tablet, SmartHome-Geräte etc.), E-Mails, Service-Konten (Konto des Mobilfunkanbieters, Online-Banking, Paypal etc.), Dein Google-Konto oder die Apple-ID, Konten bei den sozialen Netzwerken (Twitter, Facebook, Instagram& WhatsApp), Konten bei Onlineshops. Eine vorher erstellte Liste kann Dir helfen, nichts zu vergessen.

Achte besonders auf Cloud-Zugänge und deaktiviere die automatische Synchronisierung bei Apple, Google, WhatsApp etc. Vergib für jeden Zugang ein eigenes neues Passwort und achte darauf, dass es sicher ist und von dem Stalker nicht erraten werden kann. Tipps für sichere Passwörter findest Du z.B. hier: https://www.bundespolizei-virus.de/virenschutz/sichere-passwoerter/.

  • Erstelle evtl. neue Accounts für Mails und soziale Netzwerke unter einem neuen Namen. Achte aber in jeden Fall darauf, die Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Medien wie Twitter, Facebook, WhatsApp und Instagram auf „privat“ einzustellen und bedenke, dass der Stalker über die gemeinsamen Kontakte immer noch auf Deinen Account Zugriff haben kann, wenn Du nicht genau festlegst, wer Zugriff bekommt (z.B. Freundesliste sperren). Besonders wenn Du mit Deinem Ex weiterhin ähnliche Interessen oder Freunde teilst, wird der Ki-Algorithmus Sozialer Netzwerke Dein neues Profil bald doch wieder Deinem Ex vorschlagen. (mehr Informationen hierzu auf www.klicksafe.de).
  • Logge dich bei Mail-Accounts und bei sozialen Medien immer aus, sonst bleibt die Anwendung in Hintergrund aktiv.
  • Richte überall, wo es möglich ist, eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
  • Achte darauf, dass deine Webcam und die Kamera am Smartphone abgedeckt ist und schränke die Apps ein, die Zugriff auf Mikrofon und Kamera nehmen dürfen.
  • Sorge dafür, dass niemand Zugriff auf dein Smartphone hat und sichere den Zugang über Gesichtserkennung oder Fingerabdruck.
  • Beweise sammeln und evtl. Anzeige erstatten

Nach § 238 StGB steht Cyberstalking unter Strafe und wird mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft. Es ist aber unabhängig davon, ob Du Anzeige erstatten möchtest, ratsam, die Vorfälle zu dokumentieren. Hierzu kannst Du:

  • Screenshots von Nachrichten, Fotos etc. machen,
  • Mails, sms, Sprachnachrichten archivieren und speichern,
  • ein Stalking-Tagebuch führen. Hier notierst Du, wann was passiert ist, (falls bekannt) wer die bedrohende Person war, Namen von Zeugen, die eigene Reaktion (auch körperlich, wie z.B. Übelkeit, Schweißausbruch etc.) sowie Beweise.

 

Spyware

(aus: Coalition against Spyware & Kaspersky: Der Spyware Report 2020)

Durch die Verwendung von Spyware kann die Kontrolle des Täters über das Opfer immens sein. Je nach installiertem Produkt kann Spyware vielfältige Funktionen haben, um in die Privatsphäre der Betroffenen einzudringen. Mithilfe der Software kann ein Täter:

  • alles lesen, was die überwachte Person eintippt, indem jede Tasteneingabe auf dem Gerät protokolliert wird – darunter auch die Anmeldedaten für Banking-Apps, Onlineshops und soziale Netzwerke.
  • wissen, wo sich die betroffene Person befindet – durch Verfolgung der Bewegungen einer Person in Echtzeit via GPS.
  • hören, was die Person sagt – durch Belauschen oder gar Aufzeichnen von Gesprächen.
  • Nachrichten in jedem Messenger-Dienst lesen, unabhängig davon, ob eine Verschlüsselung verwendet wird.

Leider ist es nicht besonders schwierig, heimlich Spyware auf einem Smartphone zu installieren. Das größte Hindernis besteht darin, dass Spyware auf dem betroffenen Gerät konfiguriert werden muss. Das bedeutet, dass der Täter (bzw. die Täterin) physischen Zugriff auf das Zielgerät haben muss, um Spyware zu installieren. Dies ist möglich, wenn das Gerät nicht durch eine PIN, ein Muster oder ein Passwort geschützt ist oder der Täter das Opfer persönlich kennt. Die Installation auf dem Zielgerät kann innerhalb weniger Minuten abgeschlossen werden

 

Ist auf meinem Mobilgerät Spyware installiert?

Für Laien ist schwer zu erkennen, ob Spyware auf ihrem Gerät installiert ist. In der Regel bleibt diese Art von Software verborgen. Das bedeutet auch, dass das Symbol der Spyware-App auf dem Startbildschirm und im Telefonmenü ausgeblendet wird und alle digitalen Spuren „beseitigt“ werden. Sie kann sich jedoch verraten und es gibt einige Warnzeichen. Orientierung bieten dabei folgende Anhaltspunkte:

  • Generell kannst Du darauf achten, ob die Person, die Dich kontrolliert, Dinge weiß, die sie nicht wissen kann, weil Du sie nur einer Vertrauensperson anvertraut hast oder Deinen Standort kennt, obwohl Du alle technischen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen hast und niemandem Deinen Aufenthalt mitgeteilt hast.
  • Spyware verursacht oft sich schnell entleerende Akkus, ständige Überhitzung und zunehmenden mobilen Datenverkehr. Auch kann eine Spyware den Standortdienst selbständig wieder aktivieren oder fragt bei Abschalten des Smartphones nach Datenvolumen, wenn mobile Daten/WLAN ausgeschaltet wurden. Ebenfalls hellhörig solltest Du werden, wenn Dein Smartphone regelmäßig mitten in der Nacht angeht, denn dann werden evtl. Daten übertragen.
  • Der Browserverlauf kann Auskunft geben: Um Spyware herunterzuladen, muss der Täter bzw. die Täterin einige Webseiten besuchen, die die betroffene Person nicht kennt. Ebenso verdächtig ist es, wenn es überhaupt keine Verlaufsdaten gibt, dann wurden sie evtl infolge des Missbrauchs gelöscht.
  • Prüfe die Einstellung der Sicherheits-Option „Unbekannte Herkunft“ (auch: „Unbekannte Quellen“): Wenn auf Deinem Gerät diese Option aktiviert ist, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass unerwünschte Software aus einer fremden Quelle installiert wurde.
  • Überprüfe die Berechtigungen der installierten Apps: Die Spyware-App kann zur Tarnung einen falschen Namen tragen und verdächtigen Zugriff auf Nachrichten, Anrufprotokolle, Standort und andere persönliche Aktivitäten gewähren.

 

Was tun gegen Spyware?

Wenn du glaubst, dass du Spyware auf dem Smartphone oder dem Rechner hast, kannst du folgendes tun:

  • Installiere eine Anti-Spyware-App auf dem Gerät.
  • Scanne dein Gerät mit der Anti-Spyware-App nach eventuell installierten Spionage-Apps und entferne diese.
  • Nachdem du die Spionage-App entfernt hast, stelle sicher, dass du alle Passwörter änderst, damit die Person, die dich verfolgt hat, nicht mehr auf deine Konten zugreifen kann (vgl. technische Sicherheit).
  • Alternativ kannst du auch das Gerät auf die Werkseinstellung zurücksetzen.

Gewaltschutzgesetz

Opfer können gerichtliche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Nachstellung bei Gericht beantragen.

Stalking

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