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Was ist Häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt hat viele Opfer

Jede vierte Frau erlebt körperliche und oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft. Verstärkt sind auch Männer von Partnerschaftsgewalt betroffen, für diese gibt es wenig Hilfsangebote. Häusliche Gewalt führt zu Vereinsamung, Verzweiflung, Verwirrung, Depressionen, Gesundheitsproblemen und Arbeitsunfähigkeit.


Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, sind ebenfalls Opfer. Die Folgen sind wissenschaftlich belegt. Bereits jede/r dritte Teenager/In erlebt Gewalt in der Partnerschaft.


Häusliche Gewalt betrifft Menschen jeden Geschlechts und Alters. Sie findet oft innerhalb der Familien statt, kann jedoch auch Personen aus ehemaligen oder aktuellen Beziehungen betreffen, welche nicht im selben Haushalt leben. Gesundheitliche und soziale Folgen sind oft gravierend. Neben individuellem Leid verursacht Häusliche Gewalt hohe gesellschaftliche Kosten.

Es gibt keine Rechtfertigung für häusliche Gewalt!

Häusliche Gewalt wird meist von Menschen ausgeübt, die Du liebst, denen Du vertraust und die Dir sehr nah sind.

So etwas würde ich mir nie gefallen lassen!

Ist eine typische Aussage von Menschen, die häusliche Gewalt nicht einordnen können.

Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren könnte!

Dies sagt annähernd jede Frau, die Gewalt durch den Partner erfährt.

Wie kommt es dann, dass eine von vier Frauen in ihrem Leben Opfer von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner wird, wenn doch so viele Frauen davon überzeugt ist, dass ihnen „so etwas niemals geschehen“ würde?

Die Antwort:

Häusliche Gewalt beginnt schleichend und langsam. Zuerst kommt die psychische Gewalt, die lange nicht als Gewalt erkannt wird, sich aber mehr und mehr zum Psychoterror steigert. Das Selbstbewusstsein wird zerstört, die Partnerin abhängig gemacht. Dann kommt die körperliche Gewalt und viele Frauen wachen erst jetzt auf und finden sich in der Hölle wieder.

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen von:

Zur körperlicher Gewalt gehören nicht nur Ohrfeigen, Schläge, Schubsen oder Tritte, sondern auch Festhalten, Einsperren und Aussperren, Schütteln oder Anspucken.

Die Spirale der Gewalt

Gewalt in der Partnerschaft in all ihren Formen und Facetten verläuft vielfach nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Seelische, körperliche und/oder sexuelle Gewalthandlungen wechseln mit Reue und liebevoller Fürsorge. Die Männer steigern jedoch oft ihre Brutalität. Der Wechsel zwischen verstärkt brutalerer Gewaltanwendung und Zärtlichkeit vollzieht sich in immer kürzer werdenden Intervallen. Misshandelte Frauen berichten, dass ihre Angst und Hilflosigkeit auf die Täter wie ein Ansporn wirken, die Gewalttätigkeiten beharrlich weiter zu treiben und zu steigern. Je hilfloser das Opfer, desto stärker und mächtiger kann sich der Täter fühlen. Je länger dieser Kreislauf andauert, desto extremer und lebensbedrohlicher werden die Misshandlungen und desto weniger geht der Mann „normal“ oder gar „gefühlvoll“ mit seiner Partnerin um. Weil körperliche und sexuelle Gewalt immer eine seelische Erniedrigung und Misshandlung einbezieht, verliert die Frau letztendlich ihre Würde. Ein Mensch, der ständig hört er sei “nichts wert” und wie “nichts wert” behandelt wird, fühlt sich irgendwann nur noch „wertlos“.

Zahlreiche misshandelte Frauen beharren auf die „gute Seite“ des Mannes, die er zwischen den Gewaltausbrüchen zeigt. „Er wird sich bestimmt ändern“… Ein verhängnisvoller Irrtum! Der Mann, der gewalttätig gegenüber Frauen ist, wird nicht von selbst die Gewalt beenden. In den meisten Formen von Gewalt, die Männer anwenden, geht es um Macht und Kontrolle über die Frauen.

Sexualisierte Gewalt ist viel mehr als ein gewaltsam erzwungener Geschlechtsakt, sondern auch (wiederholte) unerwünschte Berührungen, Bedrängen zur Ausübung von ungewollten Sexualpraktiken, Demütigung, abfällige Bemerkungen über das gemeinsame Sexualleben gegenüber Dritten oder der Versuch oder Vollzug von Handlungen, während die Partnerin nicht bei vollem Bewusstsein ist.

Zur ökonomischer Gewalt gehört:

  • Geld ein- bzw. zuteilen
  • kein eigenes Konto
  • das Familiengeld verspielen
  • Schulden (auch dass die betroffene Frau Kredite für den Mann in Unkenntnis oder unter Zwang unterschreiben muss)
  • ökonomische Abhängigkeit

Psychische Gewalt ist meist der Beginn und die häufigste Form von häuslicher Gewalt. Gemeint ist Beleidigung, Demütigung, Anschreien, Bedrohen, ständige Kontrolle, Verbot von sozialen Kontakten und Isolierung.

Anders ausgedrückt: Psychoterror

Psychische Gewalt geht in der Regel der körperlichen Gewalt voraus. Diese Gewaltform wird in der Gesellschaft meist nicht als häusliche Gewalt wahrgenommen und auch Betroffene sehen sie oft nicht so, jedoch sind die Folgen für Betroffene gravierend.

Psychische Gewalt bedeutet zum Beispiel:


Vorenthaltung

Vorenthaltung und Intimität haben eine gegensätzliche Bedeutung. Intimität ist die tiefe Vertrautheit zwischen zwei Menschen, der Austausch von Gefühlen, Gedanken und Berührungen. Intimität setzt gegenseitige Aufrichtigkeit, Vertrauen, Gleichstellung voraus – diese Aspekte sind die gemeinsame Grundlage für eine Partnerschaft.

Eine intime Partnerschaft ist nur dann möglich, wenn sie beide wollen.

Vorenthaltung bedeutet, Dein Partner lässt keine wirkliche Nähe zu. Durchaus ist möglich, dass er eine einseitige Nähe herstellt, – allerdings lässt er Dich nicht wirklich an sich ran: Er redet nicht über seine Gefühle, Wünsche und Ziele mit Dir.

Es ist schwer, Vorenthaltung als solche zu erkennen. Die meisten Betroffenen erhalten den Eindruck, ihr „Partner“ sei einfach weniger offen, etwas weniger mitteilsam als sie selber; – und sind dann erschrocken, wenn sie plötzlich erleben, wie aufgeschlossen und umgänglich ihr „Partner“ sich gegenüber Dritten verhält. Darauf angesprochen, bekommen sie Beschuldigungen zu hören wie „Du bist neidisch“, „Du bist doch nur eifersüchtig“ – Sie ist „selber schuld“ oder sie hat „ihn provoziert“, dass er kaum mit ihr spricht.

Dein Partner hält Dich auf Distanz und behandelt Dich nicht als gleichwertig und gleichberechtigt. Dadurch fühlst Du Dich in Deiner Beziehung einsam. So hat er Beides damit erreicht, wenn er Dir echte Kommunikation vorenthält.

Verbale Gewalt

Er demütigt Dich, er macht Dich klein, er sagt, dass „Du dumm und nichts wert“ bist, es „ohne ihn nicht schaffst.“ Er droht, Dir die Kinder wegzunehmen und macht Dich bei den Kindern schlecht. Alles in Deinem Leben hat sich nur um ihn zu drehen. Vielleicht droht er damit sich etwas anzutun, wenn du ihn verlässt.

Du selbst hast das Gefühl, dass dir sowieso keiner glauben wird und Du gibst Dir die Schuld.

Kontrolle und Verbot von sozialen Kontakten

Er kontrolliert jeden Schritt, den Du tust. Du musst Dich abmelden, wenn Du später kommst und auch dann kommen Kontrollanrufe. Er nimmt Dir Dein Handy ab und kontrolliert alle Aktivitäten. Als Begründung sagt er, dass er Dir leider nicht trauen kann und Du bestimmt fremd gehst. Du bist selbst schuld an der Situation.

Deine Familie und Freunde kann er nicht leiden und macht sie schlecht. Wann immer Du zu ihnen Kontakt hast, gibt es Streit. Bei Treffen, bei denen er dabei ist, benimmt er sich aggressiv und beleidigend. Dein soziales Umfeld nimmt zunehmend Abstand davon, mit Dir Zeit zu verbringen. Er sagt, dass er provoziert wurde und Deine Freunde/Familie schuld sind.

Psychische Gewalt durch Deinen Partner zermürbt Dich genauso wie die körperliche Gewalt!!

Psychische Grausamkeit hat massive und folgenschwere Auswirkungen, auf die Wahrnehmung, das Handeln, das Denkvermögen, das Selbstbild, den Selbstwert und die grundsätzliche Handlungsfähigkeit, also praktisch auf die gesamte Persönlichkeit des Opfers.

Fast alle Folgen psychischer Misshandlung tragen dazu bei, dass die Betroffene die Gewalt des Täters nicht als solche erkennen kann, oder zu geschwächt/gelähmt ist, als dass eine Trennung als „bewältigbar“ erscheint.

Misshandelte Frauen entwickeln oft ähnliche Symptome wie Geiseln. Damit sie überleben können, identifizieren sie sich mit dem Täter. Durch die Isolationsstrategien des Gewalttäters wird die Unterordnung zu ihm so stark, dass sie die eigenen Bedürfnisse gänzlich aufgibt. Wegen der Abhängigkeit ist es oft die einzige Beziehung, die ihr geblieben ist.

Warum Trennung oft keine Option ist

Du bist ein Opfer von häuslicher Gewalt. Du hast ständig – innerlich wie äußerlich – die gleichen Fragen vor Augen: Wieso tue ich mir das an? Wieso verlasse ich ihn nicht? Warum halte ich das so lange aus?

Für Nichtbetroffene ist es schwierig zu verstehen, weshalb Du Dich nicht von dem Misshandler trennst. Verhängnisvoller noch: Angehörige und Freund*innen von Gewaltopfern fällt es im Laufe der Zeit zunehmend schwerer es auszuhalten, dass Du den Täter nicht „einfach“ verlässt. Dies kann auch dazu führen, dass Freundschaften und ganze Familien zerbrechen.

Gründe, die Dich davon abhalten können, Deinen Peiniger zu verlassen:

  • Psychische Misshandlung hinterlässt keine sichtbaren Spuren. Du kannst sie oft nicht klar erkennen, weil sie körperlich nicht sichtbar sind.
  • Das Jekyll & Hyde Syndrom: Dein Umfeld kennt ihn als Dr. Jekyll, den absoluten Traumpartner. Bei Dir ist er Mr. Hyde und misshandelt Dich.
    Du bist zwar verletzt und irritiert, aber Du möchtest nicht wahrhaben, dass Dein Partner ein Gewalttäter ist. Mr. Hyde taucht zwar immer öfter auf, Du hältst aber an Dr. Jekyll fest. Du kannst noch nicht erkennen, dass Dr. Jekyll das Wunschbild ist. Dir fehlen die Kenntnisse über „typische Misshandler“. Du spürst generell „irgendwie“ dass Dein „Partner“ Dich massiv verletzt, Du erkennst jedoch nicht, dass System hinter diesen Verletzungen steckt. Du nimmst weiterhin an, dass Du mit Dr. Jekyll liiert bist, dass er Dich liebt und dass es verschiedene Anlässe (meist wegen Deiner Person oder wegen Deinem Verhalten) geben muss, welche dazu führen, dass sich Dein geliebter Dr. Jekyll von jetzt auf gleich so „ völlig“ anders verhält.
    Je grausamer und wirklicher die Realität für Dich wird, desto verzweifelter hältst Du an Deinem Wunschbild fest. Diese Illusion ist für Dich ein flüchtiges Gegengift und es ermöglicht Dir, die Wahrheit der Gewalttaten zu verdrängen.
  • Du schämst Dich, weil ausgerechnet Dir das passiert ist und Du das schon viel zu lange aushältst, vielleicht auch so gut wie möglich vor der Außenwelt verbirgst. Wie sollst Du das nur Deiner Familie und Deinem Umfeld erklären…
  • Du denkst, Du darfst Deinen Kindern nicht die Familie zerstören, den Papa wegnehmen.
  • Wenn Du für Dich die Entscheidung triffst, den Peiniger zu verlassen, gibt es die nächsten Hindernisse: das Suchen einer neuen Wohnung, Organisation eines Umzugs, Kisten packen, Möbel anschaffen – all dies ist eine riesige Hürde.
  • Viele Betroffene sind der Überzeugung, dass Frauenhäuser ausschließlich ein Ort für geprügelte Frauen seien. Sie sind nicht über andere Hilfsangebote (z.B. Frauennotrufe, Frauenberatungsstellen) informiert und/oder halten ihre Situation für „nicht schlimm genug“.
  • Betroffene, die in ländlicheren Wohnorten leben, vielleicht noch mit zu betreuenden Kindern, haben kaum die Möglichkeit, unentdeckt „mal eben“ eine Frauenberatungsstelle anzurufen oder gar aufzusuchen.

Gründe, warum Du dennoch gehen solltest:

 

·        Psychische Gewalt zerstört genauso wie körperliche Gewalt – das hast Du nicht verdient!

·        Verabschiede Dich von Mr. Jekyll, den gibt es nur noch in Deiner Fantasie! Du lebst mit Mr. Hyde zusammen, und der wird Dich niemals respektieren.

·        Schämen muss sich nur der Gewalttäter, niemals das Opfer!

·        Kinder leiden massiv unter Häuslicher Gewalt, auch wenn die Eltern denken, dass sie gar nichts mitbekommen. Die Folgen sind schwerwiegend und vielfältig, sie reichen bis ins Erwachsenenalter hinein. Du tust Deinen Kindern keinen Gefallen damit, beim Vater zu bleiben.

·        Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten, die Dir den Ausstieg erleichtern.

·        Sehe Dir diese Seiten genau an. Wir sind für alle Frauen da, auch wenn Du „nur“ psychische Gewalt erdulden musstest. Wir beraten Dich auch im Club „Galletti“.

 

Raus aus der Gewalt - aber wie?

Es gibt viele Wege aus der Gewalt und viele Institutionen können helfen.
Dies sind z.B.:

  • Hilfetelefon gegen häusliche Gewalt
  • Frauenberatungsstellen
  • Frauenhäuser
  • Ärzt*innen
  • Rechtsanwält*innen
  • Polizei
  • Weißer Ring

Nicht zuletzt solltest Du überlegen, wem aus Deinem Umfeld Du vertraust und Dir bei diesen Personen Hilfe suchen.

Gewaltschutzgesetz

Opfer können gerichtliche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Nachstellung bei Gericht beantragen.

Stalking

Du wirst verfolgt, belästigt, psychoterrorisiert, ausspioniert, bedroht, beschimpft oder angeriffen?

Cyberstalking

Du wirst per Computer und Internet beschattet, bedroht oder belästigt? Wir haben viele Informationen für Dich.