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Informationen für Angehörige und Helfer

Wegsehen ist der falsche Weg

Streit kommt in den besten Familien vor.

In Privatangelegenheiten mischt man sich nicht ein.

Das geht uns nichts an.

Kommt Dir das bekannt vor?

Wir alle sind so erzogen, dass man sich bei den Dingen, die bei anderen zu Hause passieren, besser nicht einmischt. Aber manchmal sagt das Bauchgefühl: das ist falsch!

Die Geräusche aus der Nachbarwohnung klingen nicht mehr als nur einer Meinungsverschiedenheit? Oder doch nicht?

Der Mann drückt die Frau dort doch gegen die Wand! Oder doch nicht?

In einen solchen Fall sollte man auf das Bauchgefühl achten. Man kann auch die Eindrücke anderer Zeugen befragen, möglicherweise sehen sie das ähnlich?

Oft ist auch gar nichts zu sehen oder zu hören, aber Dein Bauchgefühl sagt Dir, bei Deiner Freundin/Verwandten/Kollegin stimmt etwas nicht. Manchmal kann man eben keine blauen Flecke sehen. Manchmal erlebt eine Person zu Hause keine körperliche Gewalt sondern Psychoterror, Abhängigkeit, Kontrolle, Verbot von Kontakten, oder, oder, oder. Das ist dann nicht leicht zu erkennen!

 

Was also können Anzeichen für Häusliche Gewalt sein?

Es gibt leider keine eindeutigen Hinweise für Häusliche Gewalt, aber doch eine Menge „Roter Fahnen“. Das können sein:

  • Die Frau wirkt ängstlich und schreckhaft, evtl. auch abwesend, verschlossen und deprimiert,
  • Kontakte mit Freunden werden immer seltener oder finden nur in Abwesenheit des Mannes statt,
  • in Anwesenheit des Partners redet sie kaum, gibt seinen Interessen immer den Vorrang,
  • die Frau hat kein eigenes Konto, sie denkt daran, ihre Berufstätigkeit aufzugeben
  • sie hat häufige Verletzungen, Blutergüsse etc.,
  • die Erklärungen passen nicht zu den Verletzungen, oder sind nicht glaubhaft,
  • die Frau trägt auch im Sommer lange Kleidung, trägt häufig eine Sonnenbrille oder ist stark geschminkt.

Aber auch der Partner gibt Hinweise, auch wenn er sich in der Öffentlichkeit um ein positives Bild bemüht. Er zeigt sein wahres Gesicht, indem er:

  • sie vor Freunden/Bekannten herabsetzt und lächerlich macht,
  • ihr über den Mund fährt, sie oft korrigiert und nur seine Meinung gelten lässt,
  • Kontakte untergräbt, weil er sich ihren Freunden und Verwandten gegenüber aggressiv, unhöflich und abwertend verhält.

Wie kann man helfen?

  • Sprich die Betroffene an

Das Gespräch sollte in einer ruhigen Situation und ungestört erfolgen. Du kannst sagen, was Du beobachtet hast, dass Du Dir Sorgen machst und evtl. auch dass Du nicht weißt, wie Du die Beobachtungen deuten sollst. Biete Unterstützung an.

  • Sei geduldig, wenn sie nichts erzählt

Es ist für Betroffene sehr schwer, das Muster der Geheimhaltung zu durchbrechen oder die eigene Angst und Scham zu überwinden. Wenn die Betroffene also versichert, alles sei gut, dann akzeptiere das, biete aber gleichzeitig an, Ansprechpartner*in bei Hilfebedarf zu bleiben. Verweise darauf, dass man sich auch im Internet gut informieren kann und Frauenhäuser Beratung anbieten.

  • Sei geduldig, wenn sie sich dir öffnet

Wenn die Betroffene sich öffnet, dann ist das ein großer Schritt und erfordert sehr viel Mut.

Das erste, was sie dann in den meisten Fällen braucht, ist eine Person, die geduldig zuhört.. Was sie nicht braucht, sind sofortige Ratschläge oder Forderungen wie: „Da musst Du dich doch sofort trennen!“ oder „Du musst Dich wehren!“.

In jedem Fall sollte man als Unterstützer*in damit rechnen, dass Veränderungen viel Zeit brauchen, es Rückschritte gibt und nicht immer alles so läuft, wie man selbst es sich wünscht.

  • Respektiere ihren Willen

Menschen, die von Häuslicher Gewalt betroffen sind, haben viele Gründe, warum sie sich nicht aus der Situation befreit haben. Mehr dazu kannst Du unter “Was ist Häusliche Gewalt?” lesen. Es erfordert sehr viel Mut und Kraft, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.

Deshalb: was immer die Betroffene entscheidet: respektiere ihren Willen, auch wenn sie sich z.B. nicht trennen will, vor manchen Schritten zurückschreckt oder sich auch gar nicht mehr meldet.

  • Biete Hilfe an

Freunde/Bekannte oder Verwandte können neben dem sprichwörtlichen „offenen Ohr“ weitere Hilfen geben:

  • Informationsmaterial und Adressen zur Verfügung stellen
  • Die Betroffene bei sich zu Hause im Internet recherchieren oder telefonieren lassen
  • Begleitung zu Beratungsstellen, Ärzt*innen, Rechtsanwält*innen oder Polizei
  • Betreuung der Kinder, um der Betroffenen Raum für Anderes zu geben
  • Platz zum Hinterlegen von Taschen, Dokumenten oder Schlüsseln geben
  • Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder einem neuen Job
  • In Akutsituationen die Polizei verständigen

Aber: lasse sie selber entscheiden, was sie braucht!

  • Achte auf deine eigene Sicherheit und Belastungsgrenze

Gewaltschutzgesetz

Opfer können gerichtliche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Nachstellung bei Gericht beantragen.

Stalking

Du wirst verfolgt, belästigt, psychoterrorisiert, ausspioniert, bedroht, beschimpft oder angeriffen?

Cyberstalking

Du wirst per Computer und Internet beschattet, bedroht oder belästigt? Wir haben viele Informationen für Dich.